Soziale Brennpunkte

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Kettwiger-Knappe
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Soziale Brennpunkte

Beitrag von Kettwiger-Knappe » Do 4. Jul 2019, 21:40

@ Sick

Das Modell "Stadt" ist meines Erachtens auch ein Auslaufmodell. Der Leerstand von
Geschäften wird in die von Dir genannten "neuen Geschäfte" umgewandelt, sorry, das
tue ich mir für die letzten 20-30 Jahre meines Lebens nicht mehr an.

Wir wohnen seit 2007 sehr ländlich, damit kauft man sich meines Erachtens aber nur Zeit!
Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich der von Dir beschriebene "Krebs" auch in ländliche
bzw. bevorzugte und teurere Wohngegenden ausbreitet, weil auch hier die Leute inhaber-
geführter Läden in Rente gehen oder aufgrund fehlender Einnahmen schließen, wegen des
stetig wachsenden Onlinehandels und dadurch HIER ein KLEINER Leerstand ist. Es dauerte
auch hier nur kurze Zeit, zack Dönerladen ab August, wo vorher Jahre ein Fotoladen drin war.

Den neuen Dönerladen, es gibt bereits einen, wo nie ein Kunde zu sehen ist, braucht aufgrund
der einheimischen und vielfach älteren Bevölkerungsstruktur hier keiner, das hat schon im letzten
Jahr ein anderer Dönerladen, einen Häuserblock weiter, feststellen müssen und hat nach nicht
mal einem Jahr aufgeben, aber man wird sehen, wie das jetzt läuft.

Vom Prinzip her ist es wie beim Schach, man versucht das Zentrum zu besetzen und
breitet sich dann auf die Flügel des Brettes aus.


sick hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 23:00
U-Bahnhöfe kannst Du in NRW-Städten eigentlich nirgendwo nachts sicher "frequentieren". Es sei denn, Du siehst selbst gefährlicher aus als der Rest.

Als letztens bei einem GE Besuch nicht mal mehr eine ordentliche Frikadelle irgendwo zu kriegen war und der LUX wohl auch zugemacht hat dauerhaft, war dann der letzte Anreiz weg, die Rest-Verwandtschaft dort zu besuchen öfters.

Ich bin nach dem Aufwachsen in GE u.a. auch in BO, E, DO und nun D zuhause gewesen...aber im Endeffekt ist das überall das Gleiche mittlerweile. Je zentraler, desto schlimmer. Ein Metzger zu, drei neue Dönerläden, Gemüsehändler, Spiel-/Bar-/Kiosk-/Internet-Betriebe machen auf. So mein Gefühl. Eventuell ein groß angelegtes System, sich wie ein Krebs von der Mitte aus zu verbreiten. Ziehen jetzt auf´s ländliche Grundstück, das Modell "Stadt" ist in meinen Augen nur noch ein Auslaufmodell....
Ich habe Lachanophobie und das ist gut so! ;-)

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Nastasić
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Beitrag von Nastasić » Do 4. Jul 2019, 21:50

Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:06


Das Brauhaus gibt es heute auch nicht mehr, genau wie das damalige
Altstadtcafé, mein Stammcafé in den 90ern am Wochenende. Es geht
alles kaputt in der Innenstadt und drumherum.
Die Hibernia-Schließung war tatsächlich ein herber Verlust.
Das ALTSTADTCAFE hat allerdings seit etwa einem Jahr, nach umfrangreichen und absolut gelungenen Renovierungsarbeiten, wieder geöffnet.
„Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde!“

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Kettwiger-Knappe
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Beitrag von Kettwiger-Knappe » Do 4. Jul 2019, 22:01

Da bist Du eher im Thema als ich, weil ich seit 16 Jahren nicht mehr in GE wohne
und wie beschrieben nur noch selten dort bin.

Ich hatte nur zwischenzeitlich vor 1-2 Jahren in einem anderen Forum mal gelesen,
dass das Altstadtcafé zu einer "für 5 Euro all you can eat Frühstückspension mit löchrigen
Teppichen und kaputten Stühlen" verkommen ist.

Im Hibernia habe ich viele Abende Ende der 80er und in den 90ern verbracht. Oben
war es immer sehr laut, wenn es voll war, aber es war eine gute Location in GE.
Das Ruhrpott Pils hatte was. :cool:

Alles schöne Erinnerungen, heute ist anders. :roll:


Nastasić hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:50
Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:06


Das Brauhaus gibt es heute auch nicht mehr, genau wie das damalige
Altstadtcafé, mein Stammcafé in den 90ern am Wochenende. Es geht
alles kaputt in der Innenstadt und drumherum.
Die Hibernia-Schließung war tatsächlich ein herber Verlust.
Das ALTSTADTCAFE hat allerdings seit etwa einem Jahr, nach umfrangreichen und absolut gelungenen Renovierungsarbeiten, wieder geöffnet.
Ich habe Lachanophobie und das ist gut so! ;-)

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Alonzo
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Beitrag von Alonzo » Do 4. Jul 2019, 22:39

Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:40
@ Sick

Das Modell "Stadt" ist meines Erachtens auch ein Auslaufmodell. Der Leerstand von
Geschäften wird in die von Dir genannten "neuen Geschäfte" umgewandelt, sorry, das
tue ich mir für die letzten 20-30 Jahre meines Lebens nicht mehr an.

Wir wohnen seit 2007 sehr ländlich, damit kauft man sich meines Erachtens aber nur Zeit!
Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich der von Dir beschriebene "Krebs" auch in ländliche
bzw. bevorzugte und teurere Wohngegenden ausbreitet, weil auch hier die Leute inhaber-
geführter Läden in Rente gehen oder aufgrund fehlender Einnahmen schließen, wegen des
stetig wachsenden Onlinehandels und dadurch HIER ein KLEINER Leerstand ist. Es dauerte
auch hier nur kurze Zeit, zack Dönerladen ab August, wo vorher Jahre ein Fotoladen drin war.

Den neuen Dönerladen, es gibt bereits einen, wo nie ein Kunde zu sehen ist, braucht aufgrund
der einheimischen und vielfach älteren Bevölkerungsstruktur hier keiner, das hat schon im letzten
Jahr ein anderer Dönerladen, einen Häuserblock weiter, feststellen müssen und hat nach nicht
mal einem Jahr aufgeben, aber man wird sehen, wie das jetzt läuft.

Vom Prinzip her ist es wie beim Schach, man versucht das Zentrum zu besetzen und
breitet sich dann auf die Flügel des Brettes aus.
Hallo hier meldet sich einer vom Fach zum Thema Stadt. Ich verstehe nicht ganz was Du mit Auslaufmodell meinst? Fußgängerzonen? Belebte Innenstädte? Das sind Trends die hier im Westen mit voller Absicht bzw. Blindheit ohne Konzepte durchgewunken wurden. Jetzt hat man den Salat. Natürlich spielen da noch weitere Aspekte rein, die früher nicht begriffen wurden und gegenwärtig sogar gewollt sind.
Der Dönerladen hat in den Büchern bestimmt trotzdem schwarze Zahlen stehen ;)
Mille heißt nicht Million, sondern tausend!! Danke!

sick
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Beitrag von sick » Fr 5. Jul 2019, 09:22

Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:40
@ Sick

Das Modell "Stadt" ist meines Erachtens auch ein Auslaufmodell. Der Leerstand von
Geschäften wird in die von Dir genannten "neuen Geschäfte" umgewandelt, sorry, das
tue ich mir für die letzten 20-30 Jahre meines Lebens nicht mehr an.

Wir wohnen seit 2007 sehr ländlich, damit kauft man sich meines Erachtens aber nur Zeit!
Es wird nicht mehr lange dauern, bis sich der von Dir beschriebene "Krebs" auch in ländliche
bzw. bevorzugte und teurere Wohngegenden ausbreitet, weil auch hier die Leute inhaber-
geführter Läden in Rente gehen oder aufgrund fehlender Einnahmen schließen, wegen des
stetig wachsenden Onlinehandels und dadurch HIER ein KLEINER Leerstand ist. Es dauerte
auch hier nur kurze Zeit, zack Dönerladen ab August, wo vorher Jahre ein Fotoladen drin war.

Den neuen Dönerladen, es gibt bereits einen, wo nie ein Kunde zu sehen ist, braucht aufgrund
der einheimischen und vielfach älteren Bevölkerungsstruktur hier keiner, das hat schon im letzten
Jahr ein anderer Dönerladen, einen Häuserblock weiter, feststellen müssen und hat nach nicht
mal einem Jahr aufgeben, aber man wird sehen, wie das jetzt läuft.

Vom Prinzip her ist es wie beim Schach, man versucht das Zentrum zu besetzen und
breitet sich dann auf die Flügel des Brettes aus.


sick hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 23:00
U-Bahnhöfe kannst Du in NRW-Städten eigentlich nirgendwo nachts sicher "frequentieren". Es sei denn, Du siehst selbst gefährlicher aus als der Rest.

Als letztens bei einem GE Besuch nicht mal mehr eine ordentliche Frikadelle irgendwo zu kriegen war und der LUX wohl auch zugemacht hat dauerhaft, war dann der letzte Anreiz weg, die Rest-Verwandtschaft dort zu besuchen öfters.

Ich bin nach dem Aufwachsen in GE u.a. auch in BO, E, DO und nun D zuhause gewesen...aber im Endeffekt ist das überall das Gleiche mittlerweile. Je zentraler, desto schlimmer. Ein Metzger zu, drei neue Dönerläden, Gemüsehändler, Spiel-/Bar-/Kiosk-/Internet-Betriebe machen auf. So mein Gefühl. Eventuell ein groß angelegtes System, sich wie ein Krebs von der Mitte aus zu verbreiten. Ziehen jetzt auf´s ländliche Grundstück, das Modell "Stadt" ist in meinen Augen nur noch ein Auslaufmodell....
Also hier wo wir gerade unser Zuhause aufbauen steigen noch normale Kinder aus dem Schulbus...sind auch nicht wenige. Da rotzt auch keiner erstmal zur Begrüßung den Bürgersteig voll oder wird aus dem Bus geschubst zwecks beschleunigter Bus-Entleerung. Es wird auch nicht erstmal der Mülleimer angesprungen mit Karate-Tritt oder ähnliches. Hier sind viele jüngere Leute auch hingezogen und die haben im Gegensatz zur Stadt auch Kinder, auch mehrere pro Paar. Ich denke, es gibt noch Hoffnung. 2-3 neue Familien sonstwoher integrieren sich hier auch noch und nicht andersrum, wo ein hilfloses Kind in eine Klasse mit 19Migranten gesteckt wird.

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Veltinsbauch
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Beitrag von Veltinsbauch » So 7. Jul 2019, 20:35

Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Do 4. Jul 2019, 21:06
@ Veltinsbauch

Mein Bruder wohnt um die Ecke von der Haltestelle Trinenkamp!

Nach Familienfeiern oder anderen Festivitäten in Bismarck, sind meine
Frau und ich auch bis vor 10-15 Jahren noch ohne das geringste flaue
Gefühl im Magen mit der letzten Straßenbahn vom Trinenkamp oder
Haltestelle Bismarckstraße (am Hüttweg) um kurz vor 1 Uhr Richtung
GE HBF gefahren, danach mit dem Zug nach Essen HBF und von dort
mit dem Nachtexpress nach Hause.

Heute? :shock: No way!! Da leisten wir uns für die 4-5 familiären
Treffen pro Jahr dort - nach ein paar Bierchen - lieber ein Taxi, das
ist uns unsere eigene Sicherheit wert.

Man liest genug über die heutige Gelsenkirchener Innenstadt, auf der
Bahnhofstraße war ich zum letzten Mal im Mai 2015, da ging es noch,
wenngleich sich die dort inzwischen ansässigen Geschäfte der Kaufkraft
der Einwohner anpassen.

Im letzten Jahr waren wir im einem alten Fachgeschäft in der Hauptstraße
(Jungmann), am Wochenmarkt geparkt, dann der Weg ins Geschäft,
man fühlte sich auf der Straße definitiv nicht mehr, wie in dem GE wo ich
aufgewachsen bin und über Jahrzehnte gewohnt und gearbeitet habe,
sondern wie in einem fernen und fremden Land. :daumenrunter:

Wie ich schon einmal schrieb: die Stadt hat fertig! 2009 noch aus Kettwig
zum Brauhaus Hibernia gefahren, um dort Schalke in der Champions League
in entsprechender Umgebung mit Gleichgesinnten in der Kneipe zu gucken.

Das Brauhaus gibt es heute auch nicht mehr, genau wie das damalige
Altstadtcafé, mein Stammcafé in den 90ern am Wochenende. Es geht
alles kaputt in der Innenstadt und drumherum.

Haus Eintracht (Grillostraße) schon seit Jahren zu, der Grieche Mykonos
damals auf der Schalker Straße, seit diesem Jahr in Buer auf der Horster
Straße. Die Innenstadt und angrenzende Gebiete meide heute wenn es geht.


Veltinsbauch hat geschrieben:
Mo 6. Mai 2019, 15:37
Man sollte mal versuchen, die Gelsenkirchener U-Bahnhöfe abends zu frequentieren. Selbst da ist es schon gefährlich. Selbst in der Innenstadt am Heinrich - König - Platz.
Ganz zu schweigen vom Trinenkamp, Zeche Consol, Danziger Str usw...

Vor zehn Jahren war das noch viel sicherer und angenehmer.

Am HBF sind überwiegend nur noch Gelegenheitsdiebe unterwegs, die gar kein Ziel haben, keinen DB - Zug oder die Straßenbahn anvisieren. Sie spähen nur potentielle Raubopfer und/ oder hantieren mit Drogen.

Die Stadt ist, vor allem im Zentrum, völlig unattraktiv geworden.
Grüß dich, Markus!

Schön, dass Du mal wieder hier im Forum schreibst!
Das Brauhaus Hibernia ist in der Tat ein großer Verlust! Gäbe es den Laden noch, würde ich mir ein sky - Abo klemmen und Schalke - Spiele dort schauen. Ich kann den Gelsenkirchener Hbf via E - Bergeborbeck ja in weniger als 25 Min erreichen und dann auch noch trinken :D

Die Futterkrippe gibt es in der bekannten Form ja leider auch nicht mehr. Habe mir dort vor einem Jahr eine Bratwurst geholt, die vermutlich die zweitschlechteste Bratwurst meines Lebens war ( die Schlimmste habe ich mal auf Texel gegessen :shock: ). Der Laden trägt zwar noch den alten Namen, aber hat einen ausländischen Inhaber.

Fairerweise muss man sagen, dass Tigges (en Pulpo) geöffnet hat und Burgers and Beer wohl auch keine schlechte Anlaufstelle ist. Auch bei Dionysos kann man einkehren, im Vasco da Gama oder im Dubrovnik. Dafür ist das Consilium wieder dicht... :dagegen:

Aber: Ich fühle mich dort nicht mehr wohl. Vor zwei Jahren waren wir in GE essen und meine Lebensgefährtin ist beklaut worden. Das muss während der Bahnfahrt zwischen GE HBF und Heinrich - König Platz passiert sein ( 1 Haltestelle). 200 Euro waren weg, weil ein Langfinger ihr in die Tasche griff. Sie selbst hat es erst später im Restaurant gemerkt, dass ihre Geldbörse weg war...

Das Problem ist nicht die Stadt, die gewiss Möglichkeiten bietet, abends etwas essen oder trinken zu gehen. Das Problem ist, dass die Stadt ausblutet. Gerade jetzt zieht ein Kollege von mir auch von GE nach Essen. Zahlreiche Leute aus Bulmke - Hüllen bzw. aus meiner Schulzeit in GE leben jetzt in Essen.

Viele Arbeitnehmer aus GE zieht es mindestens nach Essen, während in GE ein Sammelsurium von perspektivlosen und einkommensschwachen Menschen, die die Mehrheit bilden in dieser Stadt, zurückbleibt und dem Stadtbild nicht gerade zu Attraktivität verhilft.

Das Ausbluten der Stadt fing aber schon vor Jahrzehnten an - da nehme ich mich nicht aus - weil viele junge Menschen meinten, abends nicht in GE auszugehen, sondern in Bochum oder Essen. So kann auch kein richtig attraktives Angebot an Bars, Restaurants und Diskotheken entstehen.
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Jubelperser
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Beitrag von Jubelperser » Mo 8. Jul 2019, 12:06

Veltinsbauch hat geschrieben:
So 7. Jul 2019, 20:35
Viele Arbeitnehmer aus GE zieht es mindestens nach Essen, während in GE ein Sammelsurium von perspektivlosen und einkommensschwachen Menschen, die die Mehrheit bilden in dieser Stadt, zurückbleibt und dem Stadtbild nicht gerade zu Attraktivität verhilft.

Das Ausbluten der Stadt fing aber schon vor Jahrzehnten an - da nehme ich mich nicht aus - weil viele junge Menschen meinten, abends nicht in GE auszugehen, sondern in Bochum oder Essen. So kann auch kein richtig attraktives Angebot an Bars, Restaurants und Diskotheken entstehen.
Das ist keineswegs eine Neuigkeit in Gelsenkirchen, sondern war schon Ende der 1960er Jahre und zum Teil auch davor schon ein besonderes Thema. Nach meiner Beobachtung war erst das Sauerland so ein begehrter "Fluchtpunkt" für Gelsenkirchener, dann andere Städte wie Essen oder Mülheim. Oder Düsseldorf. Alle versprachen sich dort bessere Lebensbedingungen. Und wenn man mal die Schalker Brille ganz absetzt, sieht man auch nichts in Gelsenkirchen, was umgekehrt Leute, die hier arbeiten wollen, in die Stadt ziehen könnte. Alle Versuche, durch Verwaltung und einen Hauch von Wissenschaft und Forschung neue Anreize zu schaffen, sind durch andere Entwicklungen gleich wieder zerstört worden.

Es macht auch wenig Sinn, an "die guten alten Zeiten" erinnern zu wollen, die in den 1960er Jahren zum Beispiel an und auf der Bahnhofstraße eine unglaubliche Vielfalt an Geschäften zur Folge hatte. Alles weg. Nur die Reihenfolge muss man dabei beachten: Es waren nicht erst die bürgerlichen Geschäfte weg, sondern zuvor die dazu gehörige Kundschaft und Kaufkraft. So, wie das heutige Publikum eben Shisha-Bars und Wettbüros an jeder Ecke das Leben ermöglicht. Und genau das war politisch gewollt. Man hätte Wettbüros und Automatenlokale ganz legal regulieren könne, alle 2 qkm ein Wettbüro oder Automatenlokal, oder von Shisha-Bar zu Shisha-Bar 1.000 Meter Abstand und jeden Tag behördliche Kontrolle des dort verkauften Tabaks. So wurden aber Milieus - absichtlich oder völlig unreguliert - in die Stadt gepflanzt, die sich halt ausgebreitet haben. Ganze zusammenhängende Teile der Bismarckstraße sind heute fest in türkischer Hand. Das gilt auch für das dortige Elternhaus meiner Frau, das mal eine Maßschneiderei war. Da kann man jetzt am Spielautomaten Geld verlieren.

Gelsenkirchen hat 10.000 leerstehende Wohnungen. Man kann sich schon denken, wer darin einziehen wird, wenn der Zustrom an Leuten wieder Fahrt aufnimmt, der dann alles andere als eine Verstärkung des Arbeitsmarktes sein wird. Hinzu kommt jetzt ein Abflauen, nein, Zusammenbrechen, der Konjuktur, und strukturschwache Gebiete werden davon als erste betroffen sein. Struktur"schwach" ist für Gelsenkirchen ja eine glatte Untertreibung. Strukturlos träfe es besser.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Leute aus diesem Forum, die in Gelsenkirchen leben, sich persönlich angegriffen fühlen, wenn hier so über ihre Stadt, die auch meine Geburtsstadt ist, geschrieben wird. Aber leider ist die Wirklichkeit nun mal so, wie sie über 50 Jahre fast planmäßig herbeiverwaltet wurde.
Mit dem Umzug in das neue Forum nehme ich meinen alten Mädchennamen "Brodi" wieder an.

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Veltinsbauch
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Beitrag von Veltinsbauch » Mo 8. Jul 2019, 12:31

Ich persönlich habe in GE noch meine Mutter und meinen besten Freund. Aus diesem Grund bin ich regelmäßig in Gelsenkirchen.
Bis Ende 2012 habe ich auch noch in Gelsenkirchen gelebt und fand es einigermaßen ok. Wenn man dann aber mal dauerhaft raus ist aus GE, dann erkennt man erstmal die Tristesse, die diese Stadt umgibt.
Ich war erst letzte Woche Freitag in GE zu Besuch bei meiner Mutter und muss sagen, dass ich mich mittlerweile schon fremd in Bulmke-Hüllen fühle. Das alteingesessene EKZ Engels gibt es auch nicht mehr. Schade! Da kommt jetzt bestimmt ein türkischer Obstladen rein.
Über die Gelsenkirchener Innenstadt braucht man gar nicht reden. Dort fühle ich mich, als sei ich in Bagdad, Ankara, Bukarest oder sonstwo. Aber nicht auf deutschem Boden.
Bis 2014 habe ich noch versucht, meine Kleidung in GE zu kaufen, obwohl ich da längst in Essen gelebt habe.
Ich war zweimal bei Deichmann und meine Schuhgröße hatten sie für eine bestimmte Art von Schuhen nicht. Zweimal wurde ich darauf hingewiesen, dass man diese Schuhe aber vorrätig in Essen auf der Kettwiger Straße habe.
Zweimal habe ich mich dann für den Hinweis bedankt und gemeint, es liege eh auf meinem Heimweg.
Seitdem habe ich nie wieder in GE versucht, etwas zu kaufen. Da braucht man sich nicht wundern, wenn die Menschen auch zum Einkaufen auf Essen ausweichen.

Frauen kann ich grundsätzlich nur abraten, nach Einbruch der Dunkelheit den HBF in GE zu frequentieren. Das ist einfach zu gefährlich. Da wird man dann von Gelegenheitsdieben beobachtet und ggf beklaut.
Das war vor zehn Jahren aber noch nicht so. Die EU-Osterweiterung hat ihren Beitrag dazu geleistet. Das kann man so festhalten, ohne in die rechte Ecke gedrängt zu werden.

Gelsenkirchen ist der Hafen der Gestrandeten und Gescheiterten. Da tritt man keinem Gelsenkirchener zu nahe, wenn man das sagt. Erstens können die normalen Leute, die es in GE immer noch gibt und die dort aufgewachsen sind und sich ein Leben aufgebaut haben, nichts dafür und zweitens ist es leider die Wahrheit. Gelsenkirchen ist politisch immer stiefmütterlich behandelt worden. Man muss sich ja nur mal das ÖPNV-Netz anschauen. Fast keine S-Bahnhöfe und von Ückendorf oder Rotthausen braucht man bis nach Hassel über eine Stunde mit Bus und Straßenbahn. In Essen bewältige ich eine vergleichbare Strecke mit einer S-Bahn in 20 Minuten.

Wenn man den Heinrich-König Platz betritt und von dort eine Straßenbahn nimmt, kommt es nicht selten vor, dass sich am Eingang schon Migrantenkinder prügeln und man unten dreist um Geld gebeten wird. Schlimmer ist es noch in Bismarck an den Haltestellen Consol und Trinenkamp. Dort würde ich beispielsweise mein Tablet gar nicht rausholen, um zu lesen. Das wäre mir zu riskant.

Anfang 2018 bin ich in eine Polizeikontrolle am HBF GE geraten. Es war kalt und ich saß mit anderen Menschen in einem beheizten Warteraum am Gleis. Von den damals glaube ich 9 Personen wurden 2 polizeilich gesucht und direkt mitgenommen und ein Mann wurde von der Staatsanwaltschaft Essen wegen eines Deliktes quasi gesucht und war bis zu diesem Tag in diesem Warteraum unauffindbar.
Mich haben sie wohl auch kontrolliert,weil ich zwischen meinen Füßen einen Sixpack Stauder eingeklemmt hatte :D

Da sieht man mal, was sich für Gestalten um 20h werktags am HBF rumtreiben.
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Nastasić
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Beitrag von Nastasić » Mo 8. Jul 2019, 13:57

@Veltinsbauch Du hast mit dem Allermeisten absolut Recht und beschreibst das durchaus exakt und überwiegend differenziert. Die Stadt ist seit den späten 80er schlecht dran, aber seit etwa zehn Jahren (EU-Osterweiterung!) ist es verheerend. Würde man endlich ähnliche Summen wie in den "Osten" auch in Städte wie GE, Herne oder gar Duisburg stecken, so ginge es womöglich einigermaßen.
Dennoch gibt es durchaus auch Lichtblicke (Nordsternpark, Wissenschaftspark, Projekte auf der Ückendorfer Straße etc., ZOOM-Erlebniswelt).
Interessant ist im Übrigen auch, dass der Niedergang der Stadt mit den ersten Abstiegen Schalkes korrelierte.
Der "Stadtfilm" von Frank Bürgin (sollte auch über youtube zu finden sein) erklärt amüsant und sehr sorgfältig, wie es zu der aktuellen bitteren Situation kommen konnte.

Allerdings gehört zur ganzen Wahrheit auch, dass der Essener Norden eher noch schlechter dran ist. Essen als Stadt gibt es eigentlich gar nicht, denn der Süden hat mit dem Norden nichts zu tun. Das war schon immer so, aber inzwischen ist es, als gäbe es zwei völlig unterschiedliche Städte. Kettwig ist zudem noch mal eine andere Welt.
Die zurzeit pressewirksam diskutierte Clan-Kriminalität ist in Essen zudem erheblich größer, u.a. weil die Stadt doppelt so viele Einwohner zählt und mehr Geld zu machen ist.

Vereinfacht ausgedrückt: In GE wirst du nach 20.00 Uhr beklaut, aber im Essener Nordviertel gerätst du in eine Schießerei oder bist selbst der Protagonist eines Scorsese-Films! ;)
„Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde!“

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Beitrag von Veltinsbauch » Mo 8. Jul 2019, 14:16

Nastasić hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 13:57
@Veltinsbauch Du hast mit dem Allermeisten absolut Recht und beschreibst das durchaus exakt und überwiegend differenziert. Die Stadt ist seit den späten 80er schlecht dran, aber seit etwa zehn Jahren (EU-Osterweiterung!) ist es verheerend. Würde man endlich ähnliche Summen wie in den "Osten" auch in Städte wie GE, Herne oder gar Duisburg stecken, so ginge es womöglich einigermaßen.
Dennoch gibt es durchaus auch Lichtblicke (Nordsternpark, Wissenschaftspark, Projekte auf der Ückendorfer Straße etc., ZOOM-Erlebniswelt).
Interessant ist im Übrigen auch, dass der Niedergang der Stadt mit den ersten Abstiegen Schalkes korrelierte.
Der "Stadtfilm" von Frank Bürgin (sollte auch über youtube zu finden sein) erklärt amüsant und sehr sorgfältig, wie es zu der aktuellen bitteren Situation kommen konnte.

Allerdings gehört zur ganzen Wahrheit auch, dass der Essener Norden eher noch schlechter dran ist. Essen als Stadt gibt es eigentlich gar nicht, denn der Süden hat mit dem Norden nichts zu tun. Das war schon immer so, aber inzwischen ist es, als gäbe es zwei völlig unterschiedliche Städte. Kettwig ist zudem noch mal eine andere Welt.
Die zurzeit pressewirksam diskutierte Clan-Kriminalität ist in Essen zudem erheblich größer, u.a. weil die Stadt doppelt so viele Einwohner zählt und mehr Geld zu machen ist.

Vereinfacht ausgedrückt: In GE wirst du nach 20.00 Uhr beklaut, aber im Essener Nordviertel gerätst du in eine Schießerei oder bist selbst der Protagonist eines Scorsese-Films! ;)
Das stimmt! So große Drogenrazzien wie in Essen habe ich in GE noch nie gesehen. Gerade in einem Stadtteil wie E-Altendorf lässt man sich besser auf keine Diskussion mit Fremden ein.

Selbst im Limbecker Platz unten im U-Bahnhof wird gedealt. Man darf halt nicht nach Altendorf, Altenessen, Katernberg usw ziehen, sondern lieber ein bisschen mehr Miete zahlen und nach Frintrop, Steele, Borbeck oder Freisenbruch ziehen.
Habe mich mal für eine Wohnung in Bredeney interessiert. 1300 Euro kalt sind dann aber schon eine Nummer...

In Altendorf wurde ja auch der Boxer Manuel Charr niedergeschossen in einem Dönerladen und 2015 ein Mann totgeprügelt von Migranten.

Grundsätzlich bietet Essen aber viel mehr Lebensqualität. Die Ausgehmöglichkeiten sind viel viel größer als in GE.
Ich freue mich schon auf die Euro 2020. Da ist dann in Rüttenscheid mehr los, wenn England spielt, als in GE, wenn Deutschland spielt.

Altendorf würde ich sogar unter Gelsenkirchener Niveau ansiedeln. Wobei man da auch bemüht ist, den Stadtteil mit dem Niederfeldsee, dem modernsten Real Deutschlands, dem neuen Edeka und dem Krupp-Park aufzuwerten. Aber die Problem-Leute sind halt immer noch da...

Essen bietet aber den Vorteil, dass es nur ein Katzensprung ist zurück nach GE. Das ist vor allem wichtig, wenn man noch Familie in GE hat.
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Beitrag von Nastasić » Mo 8. Jul 2019, 14:33

Veltinsbauch hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:16

Selbst im Limbecker Platz unten im U-Bahnhof wird gedealt. Man darf halt nicht nach Altendorf, Altenessen, Katernberg usw ziehen, sondern lieber ein bisschen mehr Miete zahlen und nach Frintrop, Steele, Borbeck oder Freisenbruch ziehen.
Habe mich mal für eine Wohnung in Bredeney interessiert. 1300 Euro kalt sind dann aber schon eine Nummer...

In Altendorf wurde ja auch der Boxer Manuel Charr niedergeschossen in einem Dönerladen und 2015 ein Mann totgeprügelt von Migranten.

Grundsätzlich bietet Essen aber viel mehr Lebensqualität. Die Ausgehmöglichkeiten sind viel viel größer als in GE.
Ich freue mich schon auf die Euro 2020. Da ist dann in Rüttenscheid mehr los, wenn England spielt, als in GE, wenn Deutschland spielt.
Limbecker Platz ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Drogenpflaster, wie man es in GE nicht kennt.
Die Gegend um die Uni ist städtebaulich unfassbar hässlich. Das neue Viertel mit den peinlichen Einfamilienhäusern hängt unmittelbar an den ehemaligen Rotlichtläden. Selbst tagsüber wird gedealt. Die Sparkassen-Mittelstandsfamilien sind ganz geschockt, dass es soetwas in Essen gibt. :roll:
Altendorf ist komplett durch, Altenessen ebenso (bis auf die Park-Gegend). Katernberg halte ich inzwischen für aufgewertet, vor allem durch Zollverein. Vor dreißig Jahren sah die ganze Gegend dort noch wie Schimanski-TV aus. "Aufgewertet" heißt: War früher noch schlimmer! Stadtgrenze zu GE-Rotthausen beinhaltete eine Moschee, die vom Stattsschutz überwacht wird (Hallelujah).
Steele? War mal ein wirklich schöner Stadtteil, einschl. funktionierender Innenstadt. Restaurants, Kneipen, nette Wohngegenden.
Letzte Meldung: Die "Steeler Jungs" (Neonazis) schreiten alle paar Tage durch Steele - natürlich unter Polizeischutz. Vor etwa drei Monaten wurde auf das GREND geschossen (Projektile wurden gefunden). Möchte ich nicht wohnen.

IN GE gibt es hingegen durchaus auch Gegenden, die begehrt sind und funktionieren; auch im allseits verhassten Ückendorf oder in Rotthausen (dort wohnt z.B. Mc Kennie). Je nachdem wo man wohnt ist die BO-Innenstadt nicht weit, ebenso Essen (wobei mich da bestenfalls das Folkwang Museum sowie der Baldeneysee interessieren).
„Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde!“

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Beitrag von Veltinsbauch » Mo 8. Jul 2019, 14:58

Nastasić hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:33
Veltinsbauch hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:16

Selbst im Limbecker Platz unten im U-Bahnhof wird gedealt. Man darf halt nicht nach Altendorf, Altenessen, Katernberg usw ziehen, sondern lieber ein bisschen mehr Miete zahlen und nach Frintrop, Steele, Borbeck oder Freisenbruch ziehen.
Habe mich mal für eine Wohnung in Bredeney interessiert. 1300 Euro kalt sind dann aber schon eine Nummer...

In Altendorf wurde ja auch der Boxer Manuel Charr niedergeschossen in einem Dönerladen und 2015 ein Mann totgeprügelt von Migranten.

Grundsätzlich bietet Essen aber viel mehr Lebensqualität. Die Ausgehmöglichkeiten sind viel viel größer als in GE.
Ich freue mich schon auf die Euro 2020. Da ist dann in Rüttenscheid mehr los, wenn England spielt, als in GE, wenn Deutschland spielt.
Limbecker Platz ist schon seit zwei Jahrzehnten ein Drogenpflaster, wie man es in GE nicht kennt.
Die Gegend um die Uni ist städtebaulich unfassbar hässlich. Das neue Viertel mit den peinlichen Einfamilienhäusern hängt unmittelbar an den ehemaligen Rotlichtläden. Selbst tagsüber wird gedealt. Die Sparkassen-Mittelstandsfamilien sind ganz geschockt, dass es soetwas in Essen gibt. :roll:
Altendorf ist komplett durch, Altenessen ebenso (bis auf die Park-Gegend). Katernberg halte ich inzwischen für aufgewertet, vor allem durch Zollverein. Vor dreißig Jahren sah die ganze Gegend dort noch wie Schimanski-TV aus. "Aufgewertet" heißt: War früher noch schlimmer! Stadtgrenze zu GE-Rotthausen beinhaltete eine Moschee, die vom Stattsschutz überwacht wird (Hallelujah).
Steele? War mal ein wirklich schöner Stadtteil, einschl. funktionierender Innenstadt. Restaurants, Kneipen, nette Wohngegenden.
Letzte Meldung: Die "Steeler Jungs" (Neonazis) schreiten alle paar Tage durch Steele - natürlich unter Polizeischutz. Vor etwa drei Monaten wurde auf das GREND geschossen (Projektile wurden gefunden). Möchte ich nicht wohnen.

IN GE gibt es hingegen durchaus auch Gegenden, die begehrt sind und funktionieren; auch im allseits verhassten Ückendorf oder in Rotthausen (dort wohnt z.B. Mc Kennie). Je nachdem wo man wohnt ist die BO-Innenstadt nicht weit, ebenso Essen (wobei mich da bestenfalls das Folkwang Museum sowie der Baldeneysee interessieren).
Ich kenne in GE auch Gegenden, die recht ok sind, aber was nützt es, wenn es drumherum asozial ist?
Op de Bredde in Bismarck ist wie eine Insel, aber der kriminelle Adamshof ist nicht weit. Im Kämpchen in Hüllen ist schön vom Rest des Stadtteils isoliert, aber man muss nicht lange laufen, um auf komische Gestalten zu treffen.

In Hüllen soll nach ewigem Leerstand ein türkisches Restaurant in die ehemalige Gaststätte Nachbarschulte gezogen sein. Früher, vor knapp 15 Jahren, konnte man bei Nachbarschulte gut Fußball auf einer Leinwand gucken. Jetzt hat man in Hüllen gar keine Möglichkeit mehr, auf ein Bier irgendwo hinzugehen oder Schalke gucken zu gehen, ohne den Stadtteil zu verlassen.

In anderen Stadtteilen sieht ja es ähnlich aus. In der Gelsenkirchener - City wurde ich mit Freunden freitagabends nach dem Derby vor Jahren gegen 0h schon blöd angeguckt, als wir noch in eine Kneipe wollten. Der Inhaber meinte "Was wollt Ihr denn jetzt noch hier?"



Zurück zu Essen: Die Uni Essen ist schäbig, keine Frage. Ich finde aber schon, dass man die Gegend mit den Einfamilienhäusern und dem neuen Standort der WAZ direkt am Limbecker Platz enorm aufgewertet hat. Was aber stört, ist die Tatsache, dass es zwischen Einfamilienhäusern und Rotlichtviertel nur wenige Fußminuten sind. Da würde ich dann auch nicht wohnen wollen. Denkt man sich das Rotlichtviertel weg bzw. kennt es nicht, sieht die Ecke aber schon ziemlich aufgewertet aus.

Festhalten muss man aber, dass in GE tote Hose ist. Auch weil die Ausgehmöglichkeiten in Essen viel größer sind, ist Essen attraktiver. In Essen ist viel mehr Leben.
Ich kann mich noch erinnern, wie mir ein Taxifahrer 2008 sagte, dass Gelsenkirchen eine tote Stadt sei. Damals war ich pikiert. Heute teile ich seine Ansicht.
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Nastasić
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Beitrag von Nastasić » Mo 8. Jul 2019, 15:17

Veltinsbauch hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:58

Festhalten muss man aber, dass in GE tote Hose ist. Auch weil die Ausgehmöglichkeiten in Essen viel größer sind, ist Essen attraktiver. In Essen ist viel mehr Leben.
Ich kann mich noch erinnern, wie mir ein Taxifahrer 2008 sagte, dass Gelsenkirchen eine tote Stadt sei. Damals war ich pikiert. Heute teile ich seine Ansicht.
Da ist natürlich was dran, aber Essen ist auch nicht gerade die Ausgehstadt Nummer 1.
Will ich Bier trinken und einigermaßen früh nach Hause, so gehe ich in GE in die ROSI. Ist zwar schlechter geworden nach dem Eigentümerwechsel, aber immer noch gut.
Will ich mir die ganze Nacht um die Ohren hauen, so gehe ich bestimmt nicht nach Essen, sondern nach BO ins Bermuda-Dreieeck oder ins knapp 50 km entfernte Düsseldorf.
Will ich mir ein gutes Schauspielensemble ansehen, so gehe ich ins BO-Schauspielhaus. Soll's eher musikalisch werden, geht kein Weg am MiR vorbei (mehrfach als bestes Musiktheater Deutschlands von der WELT ausgezeichnet). Gleiches gilt für's Ballett (wer's mag...).

Was ich sagen will: Ich sehe nicht die Notwendigkeit, nach Essen zu fahren. Und das, obwohl ich dort Abi gemacht habe und große Teile des Studiums verbringen musste. Auch zwei meiner besten Freunde wohnen dort (Rüttenscheid). Dennoch empfinde ich die "Stadt" Essen als inhomogen und keine Alternative zu GE.
Da würde ich eher nach BO ziehen. Die Wohngegenden in Stiepel, direkt am Kemnader See sind keineswegs schlechter als Bredeney oder meinetwegen Werden.
Schön in Essen ist tatsächlich der Baldeneysee, auch einige Wohngegenden an der Ruhr.
Aber Eigentum in GE kostet, auch in guten Gegenden, bestenfalls die Hälfte.
„Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnehmen würde!“

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Beitrag von Veltinsbauch » Mo 8. Jul 2019, 15:37

Nastasić hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 15:17
Veltinsbauch hat geschrieben:
Mo 8. Jul 2019, 14:58

Festhalten muss man aber, dass in GE tote Hose ist. Auch weil die Ausgehmöglichkeiten in Essen viel größer sind, ist Essen attraktiver. In Essen ist viel mehr Leben.
Ich kann mich noch erinnern, wie mir ein Taxifahrer 2008 sagte, dass Gelsenkirchen eine tote Stadt sei. Damals war ich pikiert. Heute teile ich seine Ansicht.
Da ist natürlich was dran, aber Essen ist auch nicht gerade die Ausgehstadt Nummer 1.
Will ich Bier trinken und einigermaßen früh nach Hause, so gehe ich in GE in die ROSI. Ist zwar schlechter geworden nach dem Eigentümerwechsel, aber immer noch gut.
Will ich mir die ganze Nacht um die Ohren hauen, so gehe ich bestimmt nicht nach Essen, sondern nach BO ins Bermuda-Dreieeck oder ins knapp 50 km entfernte Düsseldorf.
Will ich mir ein gutes Schauspielensemble ansehen, so gehe ich ins BO-Schauspielhaus. Soll's eher musikalisch werden, geht kein Weg am MiR vorbei (mehrfach als bestes Musiktheater Deutschlands von der WELT ausgezeichnet). Gleiches gilt für's Ballett (wer's mag...).

Was ich sagen will: Ich sehe nicht die Notwendigkeit, nach Essen zu fahren. Und das, obwohl ich dort Abi gemacht habe und große Teile des Studiums verbringen musste. Auch zwei meiner besten Freunde wohnen dort (Rüttenscheid). Dennoch empfinde ich die "Stadt" Essen als inhomogen und keine Alternative zu GE.
Da würde ich eher nach BO ziehen. Die Wohngegenden in Stiepel, direkt am Kemnader See sind keineswegs schlechter als Bredeney oder meinetwegen Werden.
Schön in Essen ist tatsächlich der Baldeneysee, auch einige Wohngegenden an der Ruhr.
Aber Eigentum in GE kostet, auch in guten Gegenden, bestenfalls die Hälfte.
Kann man so sehen. Wobei ich Rüttenscheid mit dem Irish Pub besser finde als das Bermuda - Dreieck. In Rüttenscheid ist zwar alles ein bisschen weiter verteilt und nicht so konzentriert wie in Bochum, dafür aber auch höherklassiger (Restaurants). Essen kann ja zudem mit der City und Rüttenscheid zum Ausgehen aufwarten.

Mit Düsseldorf kann ich nicht viel anfangen. Ist mir zu versnobbt.

Vor kurzem war ja Einslive in GE für "drei Nächte in GE". War an dem ersten Tag zufällig in GE und muss sagen: Was für ein Trauerspiel!

Grundsätzlich muss ich aber sagen, dass es um die Ausgehmöglichkeiten in GE etwas besser bestellt ist als noch vor ein paar Jahren. Hoffentlich tut sich da noch mehr! Burgers and Beer und Tigges en Pulpo sind ja ein guter Anfang. Vielleicht kann man demnächst wieder mehr Menschen in der Stadt halten am Wochenende. Das würde ich mir wünschen!
Vor allem Tigges en Pulpo, jetzt ja in spanischem Besitz, wünsche ich, dass es auch noch in 15 Jahren existiert!
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Beitrag von Veltinsbauch » Mi 17. Jul 2019, 21:47

https://www.waz.de/staedte/essen/u-bahn ... 4009.html

Das Foto zeigt ja schon, wer sich da sehr übel und asozial benommen hat.

Vor Wochen bin ich dort auch ausgestiegen, um ausgeliehene Bücher in der Universität Essen abzugeben und kam in den zweifelhaften Genuss, Pfefferspray einzuatmen, mit dem sich Migrantenkinder bekämpft hatten.

Der Berliner Platz am Limbecker wird immer mehr zum Schauplatz von asozialen minderbemittelten Jugendlichen, die dort Gewalt anwenden.

Was Positives aber auch noch: Ich war heute im Dubrovnik in GE essen. Mittagstisch. Ich frage mich zwar, wie das Restaurant überlebt - ich war in meinem Leben drei Mal dort und immer ist es ganz leer - aber das Essen war gut ( mit Getränk und Vorspeise sowie Dessert 10,90 Euro) und ich verspüre seit 14h immer noch keinen Hunger. Die Portion war riesig!
In GE kann man richtig gut essen gehen. Für ein vergleichbares Mittagessen hätte ich in Essen oder Bochum mehr bezahlt.
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