Soziale Brennpunkte

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miner
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Mo 13. Feb 2017, 12:11

Sozial schwache Stadtstrukturen sind nicht automatisch soziale Brennpunkte.
Die Kriminalitätsqoute ist nicht höher als am Rhein
(Düsseldorf, Köln, Bonn, Leverkusen usw.)

Soziale Brennpunkte sind für mich in Thüringen und Sachsen usw., wo an Theatern und anderen Kultureinrichtungen farbige
Künstler ihre Verträge nicht verlängern oder vorzeitig
kündigen, weil sie dort ihren normalen Alltag nicht leben können.
Deckungsschatten gibt es ja gefühlt seit einer Million Jahren (DT)

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Pherenike
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Mo 13. Feb 2017, 13:10

miner, du hast sowas von Recht. Wir benutzen meines Erachtens häufig auch eine falsche Begrifflichkeit. Ich finde es richtiger, von finanziell schwache Strukturen, Stadtteilen etc. zu sprechen, anstatt von sozial schwachen.

Soziale Schwäche und Kälte ist mir in der Vergangenheit häufig in sogenannten gutbürgerlichen Vierteln begegnet. Ich will ein Beispiel aus meiner beruflichen Vergangenheit berichten. In Kassel hatte es in einem finanzschwachen Viertel in einem 16parteien Haus, durch einen technischen Defekt, gebrannt (ohne Personenschäden)Für 6 Parteien/ Familien (insgesamt 14 Personen) waren die Wohnungen zunächst unbewohnbar.

Als ich mit meinen Mitarbeitern zu dem Haus kam, um mit den betroffenen Menschen zu sprechen, welche Hilfen sie direkt benötigen und Ihnen mitzuteilen, in welchem Hotel sie bis zur Renovierung ihrer Wohnungen wohnen könnten, wurde mir mitgeteilt, das sei nicht nötig, alle 14 Personen seien im Haus oder der näheren Nachbarschaft aufgenommen worden.

Ich konnte nie die Probe aufs Exempel machen, bin mir aber sicher, in einem Villenviertel hätte ich diese Solidarität nicht gefunden.

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Alonzo
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Di 14. Feb 2017, 07:14

miner hat geschrieben:
Mo 13. Feb 2017, 12:11
Sozial schwache Stadtstrukturen sind nicht automatisch soziale Brennpunkte.
Allerdings sind sie ein guter Nährboden und können sich rasant in soziale Brennpunkte verwandeln. Desweiteren gibt es in Gelsenkirchen gewisse Stadtviertel (Straßenzüge), in die kein Streifenwagen mehr alleine zum Einsatz fährt. Brennender geht's meiner Meinung nach nicht. Mit den Ossis hast Du natürlich auch Recht. Aber das ist nicht schlimmer - beides, im Osten wie im Westen, ist absolut inakzeptabel! Nur das die einen Probleme um uns bzw. mich herum auftreten und größer werden und ich von den anderen immer nur aus der Tagesschau was erfahre :lol:
Mille heißt nicht Million, sondern tausend!! Danke!

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Jubelperser
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Mi 22. Mär 2017, 13:21

Kettwiger-Knappe hat geschrieben:
Mi 1. Feb 2017, 20:31
... Nur die SPD-Herrschaft allein dafür verantwortlich zu machen, dass in der Stadt
inzwischen solche Zustände herrschen ist mir persönlich zu einfach. Da spielen mehrere Komponenten rein, u.a. die ehemaligen großen Arbeitgeber der Stadt. Die sind entweder kaputt oder so klein geworden, dass sie heute unbedeutend sind, Stichwort die ehemalige Zechen, Eisen & Metall, Schalker Eisenhütte, Seppelfricke, Küppersbusch usw.! Zig tausende Arbeitslose, Strukturwandel, Armut, das ist das heutige Gelsenkirchen (zum Großteil).
Nur mal ein Beispiel, warum es eine gewaltige Mitschuld der Stadtverwaltung Gelsenkirchen am Untergang dieser Stadt gibt: Ich bin im Mai 1974 zu schlimmsten Mauerzeiten aus Gelsenkirchen nach Berlin gezogen, auch wegen der Bundeswehr, die ich so - legal - umgehen konnte. Als ich mich dann dort finanziell sehr gut entwickeln konnte, wollte ich meinen gewerbetreibenden Eltern in Gelsenkirchen ein Gewerbegrundstück an der Uferstraße (die geht, wenn man von der Arena nach Gelsenkirchen über die Kurt-Schumacher-Straße kommt, rechts hinter dem Kanal ab). Das Gewerbegebiet wurde damals gerade neu parzelliert. Das Angebot der Stadt lag damals nicht bei 30 DM je Quadratmeter, was schon viel für ein Gewerbegebiet wäre, sondern bei 300 oder 350 DM, und dafür konnte man damals in Berlin in einer sehr netten Umgebung auch ein Grundstück für Wohnzwecke erwerben. Das meine ich damit, es war der Stadtverwaltung Gelsenkirchen letzten Endes immer egal, ob Gewerbe nach Gelsenkirchen kommt. Oder wegzieht. Und es gibt nicht nur dieses Beispiel.

Das sind dann solche Gründe, warum Unternehmen die Stadt verlassen. Man nennt das die Schaffung von Rahmenbedingungen, guten natürlich. Sie treffen in der Verwaltung aber nur auf Leute, die sich nicht im Geringsten dafür interessieren, dass es in Gelsenkirchen wirklich vorwärts geht. Was in der Stadtkasse fehlt, wird zu neuen Schulden oder das Land bügelt aus, wo auch die Genossen seit gefühlten Ewigkeiten sitzend das Sagen haben.

Gelsenkirchen ist nicht ohne Grund in diesen genannten Statistiken ganz unten zu finden. Andere Städte und Regionen haben Pläne, Visionen und auch Leute, die was ändern wollen. In Gelsenkirchen passiert seit rund 60 (!) Jahren nichts, gar nichts in positiver Richtung. Und wenn dann mal als Infrastrukturprogramm sogar eine Bundesgartenschau nach Gelsenkirchen vergeben wird, selbst dann ist man nicht in der Lage, daraus was zu machen, außer rund 1,4 Mio. Euro Startkapital seit 1997 bis 2010 durch die Stadtmarketing-Gesellschaft zu verballern (im Artikel ganz unten). Und das war alles absehbar:

http://www.gelsenkirchener-geschichten. ... =45&t=5100

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenk ... 27362.html

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Mi 22. Mär 2017, 13:33

miner hat geschrieben:
Mo 13. Feb 2017, 12:11
Sozial schwache Stadtstrukturen sind nicht automatisch soziale Brennpunkte.
Die Kriminalitätsqoute ist nicht höher als am Rhein
(Düsseldorf, Köln, Bonn, Leverkusen usw.)

Soziale Brennpunkte sind für mich in Thüringen und Sachsen usw., wo an Theatern und anderen Kultureinrichtungen farbigeKünstler ihre Verträge nicht verlängern oder vorzeitigkündigen, weil sie dort ihren normalen Alltag nicht leben können.
Wenn das das alleinige Maß für soziale Brennpunkte sein soll, dann ich ja in Gelsenkirchen alles in bester Ordnung.

Ein Wort zu Thüringen und Sachsen. Beide Bundesländer sind über 40 Jahre mit Ausnahme der dort so bezeichneten Fidschis (Vietnamesische Gastarbeiter) ganz ohne Hautkontakt zu Fremden gewesen. Da kam bestenfalls mal der Westbesuch, und der war ja nicht wirklich das Problem für die Einheimischen. Inzwischen hat Thüringen sogar einen Ministerpräsidenten der Linken, also, da sollte sich einiges geändert haben.

Ich habe eine chinesische Schwiegertochter, die jetzt in Sachsen lebt. Man sieht ihr an, woher sie kommt, ist aber bei einem weltbekannten Porzellanhersteller eine glänzend bezahlte Produktdesignerin. Ich habe von ihr noch nie gehört, dass sie dort als Ausländerin nicht erwünscht sei.

Wenn man mal eine ehrliche Umfrage machen würde, wie die Leute tatsächlich über den ungehinderten Zuzug von Fremden nach Deutschland denken, dann wird man sehr überrascht sein, wie die Grenzziehung zwischen den Alles-willkommen-heißenden und denjenigen, die das wesentlich skeptischer sehen, verläuft. Nach meiner Einschätzung anders als nur zwischen Thüringen plus Sachsen und dem Rest der Republik.

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Mi 22. Mär 2017, 14:58

Pherenike hat geschrieben:
Mo 13. Feb 2017, 13:10
miner, du hast sowas von Recht. Wir benutzen meines Erachtens häufig auch eine falsche Begrifflichkeit. Ich finde es richtiger, von finanziell schwache Strukturen, Stadtteilen etc. zu sprechen, anstatt von sozial schwachen.

Soziale Schwäche und Kälte ist mir in der Vergangenheit häufig in sogenannten gutbürgerlichen Vierteln begegnet. Ich will ein Beispiel aus meiner beruflichen Vergangenheit berichten. In Kassel hatte es in einem finanzschwachen Viertel in einem 16parteien Haus, durch einen technischen Defekt, gebrannt (ohne Personenschäden)Für 6 Parteien/ Familien (insgesamt 14 Personen) waren die Wohnungen zunächst unbewohnbar.

Als ich mit meinen Mitarbeitern zu dem Haus kam, um mit den betroffenen Menschen zu sprechen, welche Hilfen sie direkt benötigen und Ihnen mitzuteilen, in welchem Hotel sie bis zur Renovierung ihrer Wohnungen wohnen könnten, wurde mir mitgeteilt, das sei nicht nötig, alle 14 Personen seien im Haus oder der näheren Nachbarschaft aufgenommen worden.

Ich konnte nie die Probe aufs Exempel machen, bin mir aber sicher, in einem Villenviertel hätte ich diese Solidarität nicht gefunden.
Wenn soziale Schwäche (was ist das? Mangelnde Empathie, zu wenig "soziale Kompetenz"?) und soziale Kälte (die wird festgestellt, wenn man ist nicht bereit, fremde Leute bei sich zu Hause aufzunehmen?) einem "gutbürgerlichen Viertel" zurechnet, dann ist schon klar, dass in einem finanzschwachen Viertel das Gegenteil anzutreffen ist?

Da würde ich mir erst einmal mir die Struktur eines Viertels näher anschauen, bevor man aus der Unterbringung von 14 Personen nach einem Häuserbrand tatsächlich allgemein schließen kann, dass finanzschwache Viertel ein Ort der sozialen Stärke und Wärme sind, die gutbürgerlichen Gegenden dagegen eher das Gegenteil.

Dann mal ein Beispiel aus meiner beruflichen Praxis. In sogenannten gutbürgerlichen Vierteln wohnen überproportional viele ältere Leute, davon mehrheitlich alleinstehende Frauen, die schon per se Angst hätten, irgendeinen Dritten bei sich "einfach so" und dann noch mitten in der Nacht aufzunehmen.Dazu gehört auch, dass nahezu keinerlei verwandschaftliche Beziehungen zwischen den Bewohnern in gutbürgerlichen Vierteln bestehen. Dann wohnen in solchen gutbürgerlichen (ein grauenhafter Begriff) Vierteln auch junge Familien, finanziell gut ausgestattet, aber wo fast immer beide berufstätig sind und demzufolge die eigentlichen Bewohner der Wohnung oder des Hauses tagsüber selten zu Hause sind. Oder sie haben Kinder, die das Haus schon so füllen. Usw.

Ich habe mich lange genug berufsmäßig mit der Zusammensetzung von Wohnblöcken (Vierteln) beschäftigt, insbesondere zum Zwecke der Kaufkraftbestimmung. Die entsprechende Institute wie zum Beispiel INFAS verfügen über Zahlen, die bis in jeden Haushalt hineingehen. Wieviel Einkommen und Vermögen steht zur Verfügung, welche Autos werden gefahren, wie groß ist die Wohnung, wieviele Personen leben darin, wie alt sind sie, welchen Bildungsgrad haben sie, wie ist die Wohnung ausgestattet usw.? Und jetzt fallen mir gleich noch 20 weitere Parameter ein, die allesamt dazu beitragen, sagen zu können, wo z.B. dort voraussichtlich bei der nächsten Wahl das Kreuzchen gemacht wird. Oder woher sollen sonst die meist präzisen Wahlvorhersagen stammen? Die fallen nicht vom Himmel, die werden statistisch sehr genau - anonym - ermittelt. Die kleinste Verortungseinheit ist übrigens 3 Personen, aus Datenschutzgründen.

Auf sogenannter Blockebene (die ist definiert durch die drei oder vier Straßen, die einen Wohnblock oder auch eine Grünfläche direkt umgeben, mit der Ausnahme, dass bei weit über 1.000 Einwohner je Block eine weitere Aufteilung erfolgt) kann man diese Daten bekommen, aber auch wieder nur, wenn mindestens 3 Personen in einem Block leben. Auf kommunaler Ebene nennt man das "Regionales Bezugssystem". Das ist die wichtigste Planungsunterlage für Stadtverwaltungen, denn woher soll die sonst wissen, wo Schulen, Kindergärten, Badeanstalten, Bushaltestellen, Wohnungen, Altenheime, Krankenhäuser usw. zu errichten oder abzuschaffen sind, wenn nicht durch korrekte Erfassung möglichst vieler relevanter Daten? Und in allen diesen Betrachtungen spielt Solidarität, soziale Schwäche und Kälte gar keine Rolle, weil das immer eine individuelle Sache des Betrachters ist und sich jeder Messbarkeit entzieht. Und kommen bestimmte Zahlen am Ende dabei heraus, spricht man von "sozial schwachen" Bezirken, was in der Tat ein Unwort ist, http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2008/ ... schichten/

Untersuchungen der örtlichen Verhältnisse münden dann zum Beispiel in Berlin in einem jährlich neu zu erstellenden "Sozialstrukturatlas", der sogar den Gesundheitszustand der Einwohnen mit berücksichtigt. http://www.berlin.de/sen/archiv/gessoz- ... 150851.php Dort redet man von "Sozialindex 1" und so weiter, was in etwa der niederländischen Einteilung von sozialen Schichten entspricht.

In dem genannten sozial warmen Viertel mit großer sozialer Kompetenz - wenn man das überhaupt irgendwie außerhalb persönlicher Erfahrungen und Beobachtungen feststellen könnte, und so sollte das ja wohl verstanden werden - leben mit Sicherheit zudem viel mehr Familien, die untereinander verwandt sind, weil Leute aus den ärmeren Schichten gerne näher zusammen wohnen wollen. Durchaus verständlich, übrigens.

Bevor man aus einer singulären Beobachtung irgendwelche allgemeine Schlüsse ziehen kann, würde ich gerne wissen, wer die 14 Leute aufgenommen hat? Waren es deren Verwandten oder gab es keine Beziehung zwischen den über Nacht obdachlos gewordenen Personen und den aufnehmenden Haushalten? Dann sehen wir weiter.

Mir persönlich ist die Verwendung der Begriffe für das, was gemeint ist, eigentlich egal, aber die Definition ärmer = sozial kompetenter und reicher = asozial will ich nicht anhand eines singulären Ereignisses verallgemeinert sehen, wie umgekehrt nicht "sozial schwach" = "sozial problematisch". Die Einordnung nach Schichten ist da zielführender, was man hier nachlesen kann: http://www.gesis.org/fileadmin/upload/f ... isi-45.pdf

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Pherenike
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Mi 22. Mär 2017, 15:30

Danke für deine wissenschaftliche Abhandlung. ;) Mit ging es lediglich darum, zu sagen, dass finziell schwach nicht a priori gleichzusetzen ist mit sozial schwach. :D

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Jubelperser
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Mi 22. Mär 2017, 18:21

Pherenike hat geschrieben:
Mi 22. Mär 2017, 15:30
Danke für deine wissenschaftliche Abhandlung. ;) Mit ging es lediglich darum, zu sagen, dass finziell schwach nicht a priori gleichzusetzen ist mit sozial schwach. :D
Man tut, was man kann! ;)

In der Sache, also der Begriffsverwendung bei Wohnvierteln, sind wir uns ja weitestgehend einig. Nur erfährt der Begriff "sozial" in den verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen eine völlig unterschiedliche Bedeutung. Die reicht dann von "erzieherisch einschlägigem Handeln und Verhalten" über die Biologie (ein weites Feld) weiter zum Organisationswesen, wo aus Anwaltssozietäten letzten Endes nur einfach Zusammenschlüsse gemeint sind, aber bestimmt nicht, dass die Anwälte kostenlos Mandate übernehmen, nur weil das Wort "sozial" in Sozietät steckt.

Über die Politik (da fange ich jetzt gar nicht erst mit an über das "S" bei SPD under "S" bei CSU) geht es dann weiter zur Psychologie, wo das Zwischenmenschliche gemeint ist bis zur Rechtswissenschaft, wo aus dem Sozialstaatsprinzip abgeleitet wird, dass jeder in Deutschland sich aufhaltende Mensch einen Grundanspruch darauf hat, dass sich der Staat (nur) im äußersten Notfall um ihn kümmert. Manche leiten aber daraus eher ein bedingungsloses Grundeinkommen ab.

Letzten Endes landet das Wort "sozial" dann in der Volkswirtschaftslehre, wo es nur noch als Teil-Vokabel in Bruttosozialprodukt vorkommt. Und da verlässt es ganz sicherlich die ursprüngliche Bedeutung von gemeinnützig, hilfsbereit oder gar barmherzig.

Ich möchte noch nachträglich hinzufügen, dass die größte Verballhornung des Begriffes "sozial" in dem Begriff "Soziale Netzwerke" zu finden ist.

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Kettwiger-Knappe
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Di 10. Okt 2017, 18:54

Ein sehr langer und interessanter Bericht über das aktuelle
Gelsenkirchen findet sich heute auch hier:

https://www.ruhrbarone.de/gelsenkirchen ... ten/148155


Ich habe Lachanophobie und das ist gut so! ;-)

Veltinsbauch
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Sa 4. Nov 2017, 01:36

Was wäre gewesen, wenn Gelsenkirchen die olympischen Sommerspiele 2000 bekommen hätte?
Erst 1990 wurde GE im Verbund mit anderen Ruhrgebietsstädten durch das NOK bei der innerdeutschen Bewerbung gestoppt, um Berlin den Vorrang zu lassen. Ende bekannt. Die Olympiade fand in Sydney statt.

Was wäre gewesen, wenn GE statt Essen/Duisburg den Zuschlag für eine Universität bekommen hätte?

Warum hat GE Opel als Standort abgelehnt? Erst danach kam Bochum ins Spiel.

Wie man sieht, ist sehr viel sehr unglücklich für GE gelaufen :evil:
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Alonzo
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Sa 4. Nov 2017, 08:43

Veltinsbauch hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 01:36
Was wäre gewesen, wenn Gelsenkirchen die olympischen Sommerspiele 2000 bekommen hätte?
Erst 1990 wurde GE im Verbund mit anderen Ruhrgebietsstädten durch das NOK bei der innerdeutschen Bewerbung gestoppt, um Berlin den Vorrang zu lassen. Ende bekannt. Die Olympiade fand in Sydney statt.

Was wäre gewesen, wenn GE statt Essen/Duisburg den Zuschlag für eine Universität bekommen hätte?

Warum hat GE Opel als Standort abgelehnt? Erst danach kam Bochum ins Spiel.

Wie man sieht, ist sehr viel sehr unglücklich für GE gelaufen :evil:
Wie schon oben erwähnt - Politikversagen ist der einzige Grund dafür, wenn eine Stadt oder Region über Jahrzehnte sukzessive abbaut. Wie GE!
Mille heißt nicht Million, sondern tausend!! Danke!

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Jubelperser
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Do 16. Nov 2017, 11:46

Alonzo hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 08:43
Veltinsbauch hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 01:36
Was wäre gewesen, wenn Gelsenkirchen die olympischen Sommerspiele 2000 bekommen hätte?
Erst 1990 wurde GE im Verbund mit anderen Ruhrgebietsstädten durch das NOK bei der innerdeutschen Bewerbung gestoppt, um Berlin den Vorrang zu lassen. Ende bekannt. Die Olympiade fand in Sydney statt.

Was wäre gewesen, wenn GE statt Essen/Duisburg den Zuschlag für eine Universität bekommen hätte?

Warum hat GE Opel als Standort abgelehnt? Erst danach kam Bochum ins Spiel.

Wie man sieht, ist sehr viel sehr unglücklich für GE gelaufen :evil:
Wie schon oben erwähnt - Politikversagen ist der einzige Grund dafür, wenn eine Stadt oder Region über Jahrzehnte sukzessive abbaut. Wie GE!
Die Ursache allen Übels in Gelsenkirchen ist das Versagen der Politiker seit Mitte der 1950er Jahre (da begann die Kohlekrise eigentlich schon) bis heute. Man konnte "sozialen Brennpunkten" schon immer entgegensteuern, wenn man das nur gewollt hätte. Und man kann auch dem Sozialmissbrauch begegnen, in dem man zum Beispiel Fingerabdrucksensoren an allen Arbeitsplätzen einrichtet, die irgendetwas mit Leistungsempfang zu tun haben. Allein schon die abschreckende Wirkung daraus würde ein Signal sein, das sich sehr schnell in den "Fachkreises" herumsprechen würde.Da könnte Gelsenkirchen mal zeigen, ob man tatsächlich gewillt ist, den Sozialmissbrauch zu beenden.

Nein, es ist nicht so, dass man nichts machen konnte. Man wollte nicht oder war schlicht unfähig - oder beides. Bei mehr als 10.000 leerstehenden Wohnungen in Gelsenkirchen kann es eigentlich keine Schrottimmobilien geben, die noch vermietet werden müssen. Die zuständige Behörde kann eine solche Immobilie aus vielen Gründen aus dem Verkehr ziehen, tut es aber nicht. Wäre ja Arbeit, viel Arbeit sogar. Also lässt man weiter solche Zustände zu.

Gelsenkirchen ist so, wie sich die Stadt seit Jahrzehnten gibt, ein hoffnungsloser Fall. Wenn die AfD mal die SPD überholt hat (nächste Europawahl ist im Frühjahr 2019, Kommunalwahlen sind dann im Herbst 2020), wird der bundesweite Aufschrei groß sein. Aber wundern darf das dann niemanden mehr, denn alle Voraussetzungen dafür wurden und werden von dieser Stadtverwaltung selbst geschaffen. So feiert man gerade die Ansiedlung von 400 (in Worten: vierhundert) Arbeitsplätzen mit einem idiotischen Aufwand an Steuergeldern. Die Wirtschaftsförderung spricht schon vom "besten Jahr für die Stadt in den vergangenen Jahrzehnten", wenn ein Unternehmen wie Pilkington (AGR Europe) von Bochum nach Gelsenkirchen umsiedelt und nicht ein einziger Arbeitsplatz neu in Gelsenkirchen dadurch geschaffen wird. Dann pendeln halt 120 Bochumer nach Gelsenkirchen. Ikea hätte dagegen Gelsenkirchen gleich mehrere Hundert Arbeitsplätze gebracht, aber daraus wurde dann nichts, die Fläche war weg.

Dann werden neue Plätze bei Bleistahl (50 Stück) abgefeiert, hinzu kommt noch Bilstein, aber im selbem Atemzug bleibt unerwähnt, dass Vaillant in Erle schließen wird, was mit dem Verlust von 200 Arbeitsplätzen einhergehen wird. Die bleiben bei der Erfolgsstatistik natürlich außen vor.

Am Ende bleibt Gelsenkirchen die ärmste Stadt Deutschlands mit dem niedrigsten Einkommen überhaupt. Dazu ein bundesweit einmaliger Lehrstand an Immobilien, was natürlich insgesamt den Immobilienwert der Leute schmälert, die sich als Alterssicherung eine Eigentumswohnung oder ein Haus gebaut haben. Und auch Investoren lesen Statistiken und machen daher einen weiten Bogen um diese Stadt.

Wie gesagt, alles nichts Neues, alles seit über 60 Jahren ein bekanntes Problem, aber Herr Baranowski meinte allen Ernstes, mit dieser "Erfolgsstory" Landesvorsitzender der SPD NRW werden zu können, also Frau Kraft zurücktrat. Das nennt man Realitätsverlust. Und das ist ganz schlecht an der Spitze einer Problemstadt wie Gelsenkirchen.

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Do 16. Nov 2017, 12:01

Veltinsbauch hat geschrieben:
Sa 4. Nov 2017, 01:36
Was wäre gewesen, wenn Gelsenkirchen die olympischen Sommerspiele 2000 bekommen hätte?
Erst 1990 wurde GE im Verbund mit anderen Ruhrgebietsstädten durch das NOK bei der innerdeutschen Bewerbung gestoppt, um Berlin den Vorrang zu lassen. Ende bekannt. Die Olympiade fand in Sydney statt.

Was wäre gewesen, wenn GE statt Essen/Duisburg den Zuschlag für eine Universität bekommen hätte?

Warum hat GE Opel als Standort abgelehnt? Erst danach kam Bochum ins Spiel.

Wie man sieht, ist sehr viel sehr unglücklich für GE gelaufen :evil:
Ich kann Dir die meisten Fragen nicht beantworten, nur die nach dem Opel Standort. Opel wollte nach Gelsenkirchen, aber die damalige Stadtverwaltung hat das Angebot von Opel ausgeschlagen. Laut Baranowski war das so damals:

"Nur kann man die Politik nicht allein verantwortlich machen für die Versäumnisse der Vergangenheit. In Gelsenkirchen wollte sich einst Opel ansiedeln, was die Zechenbarone aber zu verhindern wussten. Sie wollten, dass die Facharbeiterschaft ausschließlich ihren Werken zur Verfügung steht. Man sieht, dass es durchaus auch andere gesellschaftliche Kräfte gab, die Bestehendes bewahren wollten, ohne Rücksicht auf Verluste in der Zukunft."
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 64565.html

Seit wann beschließen Zechenbarone, ob sich Unternehmen auf städtischem Gelände ansiedeln dürfen? Und das ist auch völlig unglaubwürdig, was Baranowski da von sich gibt, denn Mitte der 60er Jahre gab es bereits massenhafte Entlassungen bei Kohle und Stahl. Die Krise ging auf ihren ersten großen Höhepunkt zu, ausgelöst durch billiges Öl (ein Liter Heizöl kostete damals 8 Pfennig, da rechnete sich keine Kohle mehr).

Die Ansiedlung eines Automobilwerks war eine strukturpolitische Maßnahme GEGEN diese Entwicklung, aber damals war Gelsenkirchen noch reich. Es war also ein Akt der Arroganz der damaligen Stadtverwaltung, auf die Ansiedlung zu verzichten.

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Pherenike
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Do 16. Nov 2017, 13:17

http://www.lokalkompass.de/bochum/polit ... 99775.html
Nein, auch mit Opel wäre in Gelsenkirchen nicht alles besser; leider. Andere Städte im Pott haben - zeitversetzt - ähnliche Entwicklungen genommen.

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Do 16. Nov 2017, 16:12

Pherenike hat geschrieben:
Do 16. Nov 2017, 13:17
Nein, auch mit Opel wäre in Gelsenkirchen nicht alles besser;
Natürlich nicht, aber es hätte für Jahrzehnte neue Arbeitsplätze nach Gelsenkirchen gebracht. Mal ganz abgesehen von der Signalwirkung für Zulieferer usw.

Übrigens: das Aus von Opel in Bochum hat im Wesentlichen der damalige Betriebsratsvorsitzende Einenkel zu verantworten, der sich jeder vernünftigen Regelung widersetzte. Ich nehme mal an, seine damaligen Kollegen werden ihm dafür ewig "dankbar" sein.

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